Lesart: Wie gefährlich sind die neuen Medien?

Lesart: Wie gefährlich sind die neuen Medien?

Essen. „Skandal! Fake! Hysterie! – Gefährdet die Dauererregung die Demokratie?“ So lautet der Titel der nächsten „Lesart“, die vom Deutschlandfunk Kultur am Dienstag, 20. März, ab 20 Uhr im Café Central International des Essener Grillo-Theaters aufgezeichnet wird. Zu Gast sind an diesem Abend Bernhard Pörksen und Michael Steinbrecher, die ihre Sachbuch-Neuerscheinungen vorstellen werden sowie Andreas Tyrock, der Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Die Moderation dieses Abends, der vom Deutschlandfunk am 24. März ab 11:05 ausgestrahlt wird, übernimmt Christian Rabhansl. Der Eintritt kostet acht Euro. Karten gibt es TUP-Ticketcenter, Telefon 0201/81 22-200, oder in der Buchhandlung Proust, Telefon 0201/839 68 40.

In „Die große Gereiztheit“ (Hanser) konstatiert Bernhard Pörksen, dass öffentliche Debatten immer aggressiver würden und Lügen sich noch nie so leicht verbreiten ließen wie heute. Ob Terrorwarnungen, Gerüchte, die Fake News-Panik, Skandale und Spektakel in Echtzeit – die vernetzte Welt existiere längst in einer Stimmung der Nervosität und Gereiztheit. Pörksen analysiert in seinem Buch die Erregungsmuster des digitalen Zeitalters und führt vor, wie sich unsere Idee von Wahrheit, die Dynamik von Enthüllungen und der Charakter von Debatten verändern. Heute sei jeder zum Sender geworden, der Einfluss etablierter Medien schwinde. „In dieser Situation gehört der kluge Umgang mit Informationen zur Allgemeinbildung und sollte in der Schule gelehrt werden“, fordert der studierte Germanist, Journalist und Biologe, der derzeit Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen ist. Medienmündigkeit sei zur Existenzfrage der Demokratie geworden, ist sich Pörksen sicher.

Zweiter Gast ist Michael Steinbrecher. Seit 2009 lehrt der TV-Journalist (früher „Das aktuelle Sportstudio“ im ZDF), Grimme-Preisträger und Moderator der gesellschaftspolitischen Talkshow „Nachtcafé“ im SWR als Professor für Fernseh- und crossmedialen Journalismus an der TU Dortmund. In dem vom ihm mitherausgegebenen Buch „Wenn Maschinen Meinung machen“ (Westend Verlag) geht es darum, wie Big Data unsere Gesellschaft verändert: Social Bots manipulierten die Meinungsbildung, Fake News beeinflussen Wahlen und Abstimmungen, Filterblasen und Algorithmen definieren, welche Informationen uns das Internet bereitstellt. Daraus ergeben sich für Steinbrecher und Co-Herausgeber Prof. Günther Rager Fragen, die es zu beantworten gilt: Wie weit geht diese Veränderung unserer Gesellschaft? Ist sie ein Angriff auf die Demokratie? Was will das Silicon Valley, von dem so viele Veränderungen ausgehen, wirklich? Erfährt der Journalismus eine Renaissance oder macht der Letzte das Licht aus?

Bernhard Pörsken (Foto: Peter-Andreas Hassiepen)