Harmlose Spinner oder gefährliche Wutbürger?

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Essen. Um Menschen, die lange Zeit weder von der Öffentlichkeit noch von den Behörden wahr- oder gar ernstgenommen wurden, geht es zu Beginn der neuen Spielzeit am Schauspiel Essen: Konstantin und Annalena Küspert beleuchten in ihrem Stück „Der Reichsbürger“, das am Samstag, 21. September, ab 19 Uhr in der Box Premiere hat, die Psyche eines Mannes, der weit davon entfernt ist, wie ein aggressiver Verschwörungsfanatiker daherzukommen. Er ist einer von rund 19.000 so genannten „Reichsbürgern“, die es derzeit in Deutschland geben soll – Tendenz rasant steigend.

Zu ihrem Credo gehört, dass sie die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennen, denn ihrem Geschichtsverständnis nach ist die Besatzung Deutschlands nie beendet worden und die Bundesrepublik ausschließlich ein Konstrukt der Alliierten. Für Reichsbürger besteht somit das Deutsche Reich fort. Und so rufen sie ganz nach Belieben auf ihrem Grund und Boden eigene Kleinstaaten aus, vergeben Pässe und Dokumente und ernennen sich bzw. gleichgesinnte Mitstreiter zu Reichskanzlern, Königen, Kaisern oder anderen Staatsoberhäuptern.

Nachdem Reichsbürger lange als weltfremde Spinner abgetan wurden – exzentrisch, aber harmlos – bekam das Thema neue Brisanz, als 2016 einer von ihnen durch seine Wohnungstür hindurch das Feuer auf Polizisten eröffnete und dabei einen Beamten tötete.

Realitätsverweigerer, ideologisch verblendete Sonderlinge, Utopisten oder radikale Wutbürger? Wie gefährlich sind diese Menschen für die Gesellschaft tatsächlich? Mit „Der Reichsbürger“ nähern sich Konstantin und Annalena Küspert ebenso bissig wie aufklärerisch diesem irritierenden gesellschaftlichen Phänomen.

Für Inszenierung, Bühne und Kostüme zeichnet Thomas Krupa verantwortlich, der zuletzt in der Jubiläumsspielzeit den Publikumsfavoriten „Der Besuch der alten Dame“ auf die Grillo-Bühne gebracht hat. Den Reichsbürger in diesem Solo-Stück spielt Stefan Diekmann.

Eintritt bei der Premiere: 19 Euro
Weitere Aufführungen am 24. September, 3. und 31. Oktober und 21. November; jeweils ab 19 Uhr, Box. Eintritt: 17 Euro

Kartenvorverkauf: Telefon 0201/81 22-200, oder online unter www.schauspiel-essen.de

Stefan Diekmann (Foto: Martin Kaufhold)

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