Filmmuseum präsentiert Filmtricks

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Filmmuseumsdirektor Bernd Desinger vor dem Green Screen (Foto: Filmmuseum Düsseldorf )
Filmmuseumsdirektor Bernd Desinger vor dem Green Screen (Foto: Filmmuseum Düsseldorf )

Düsseldorf. Das Filmmuseum Düsseldorf, Schulstraße 4, präsentiert bis zum 30. Juni 2019 seine Sonderausstellung „Fantastische Welten, perfekte Illusionen – Visuelle Effekte im Film“. Die interaktive Schau des Filmmuseums vermittelt auf lebendige Weise Einsatz und Entwicklung des Filmtricks von seinen Anfängen bis ins digitale Zeitalter.

Visuelle Effekte, in der Filmbranche kurz VFX genannt, sind kaum noch aus einer Produktion wegzudenken. Tatsächlich haben aber schon von 1895 an Regisseure mit ihren Teams versucht, das Unmögliche möglich zu machen. Waghalsige Aktionen von Helden, Begegnungen mit wilden Tieren oder Monstern ziehen wie fantastische Sagenwelten oder ferne Galaxien bis heute die Kinobesucher in ihren Bann.

Das Arsenal an Verfahren wie Stopptrick, Mehrfachbelichtung, Stop-Motion, Rückprojektion, Matte Painting oder Green Screen wurde fortlaufend erweitert und erreichte durch Computer Generated Imagery (CGI) neue Dimensionen. Legendäre Erfinder wie Georges Méliès, Ray Harryhausen, George Lucas oder James Cameron sorgten dafür, dass die visuellen Effekte immer perfekter wurden. Die Ausstellung des Filmmuseums entführt Besucherinnen und Besucher in die Welt des Filmtricks. Dabei stellt sie die vielfältigen Verfahren nicht nur anhand zahlreicher Filmausschnitte und Fotos vor, sie bietet vor allem auch die Gelegenheit, Herstellung und Wirkung visueller Effekte interaktiv selbst nachzuvollziehen.

Filmmuseumsdirektor Bernd Desinger freut sich: „Dies ist die erste Schau zu einem weltweit faszinierenden Thema. Unser filmhistorischer Überblick ist gleichzeitig eine Einladung zum Mitmachen und Ausprobieren.“ Die    Ausstellung spricht nicht nur Filmfans an, sondern bietet lehrreiche und spannende Unterhaltung für die ganze Familie. Der Tyrannosaurus Rex aus „Jurassic Park“ verbindet ebenso wie Batman und Co oder die Charaktere aus Star Wars mehrere Generationen. Matthias Knop, stellvertretender Leiter des Filmmuseums: „Dass visuelle Effekte heutzutage selbst bei der Entstehung von Kinderfilmen eine wichtige Rolle spielen, zeigen anschauliche Beispiele aus aktuellen deutschen Produktionen wie ‚Petterson und Findus‘ und ‚Jim Knopf'“.

Die in Düsseldorf ansässige VFX-Firma LavaLabs hat mit der Medienwerkstatt die Einrichtung eines Green Screens umgesetzt, vor dem Besucher in ein Science-Fiction-Szenario oder einen Märchenwald eintauchen können. Auch ein virtuelles Fernsehstudio, entstanden in Zusammenarbeit mit dem WDR, steht zur Auswahl. Virtuelle Realität und Spiel werden im „Icaros“ verbunden. Mit Ganzkörpereinsatz müssen hier „Flugaufgaben“ gelöst werden. Beraten wurden die Ausstellungsmacher unter anderem von internationalen Größen wie Volker Engel, der für die Effekte in „Independence Day“ den Oscar gewann, oder Dan Curry, der für seine Arbeit an „Star Trek“ (Raumschiff Enterprise) mit insgesamt sieben Emmys ausgezeichnet wurde.

Während die Frühzeit des Filmtricks anhand verschiedener verwendeter Gerätschaften und Gegenstände vergleichsweise etwas leichter darzustellen ist, kann die Herstellung digitaler visueller Effekte nur an Bildschirmen und computergenerierten Einrichtungen nachvollzogen werden. Um dies aufzulockern, wurden in diesen Bereich der Ausstellung Originalrequisiten gesetzt. Volker Engel steuerte dafür ein Modell eines „Alien Attackers“ aus „Independence Day“ bei, erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen, ebenso wie das kürzlich vom Filmmuseum ersteigerte Oberdeck der „USS Enterprise“. In Zusammenarbeit mit der H. R. Giger Foundation wird auch der Kopf des wohl furchteinflößendsten Weltraummonsters aus „Alien“ präsentiert.

Das Verfahren der Rückprojektion, in unzähligen Filmen verwendet, können Besucher am Steuer eines britischen Triumph-Cabrios auf attraktive Weise selbst erleben und sich dabei filmen lassen. Andere Stationen vermitteln aktiv das Verfahren von Stopp-Trick und Stopp-Motion, wie es die berühmte Scherenschnittkünstlerin Lotte Reiniger in ihren Filmen wie „Die Abenteuer des Prinzen Ahmed“ verwendete. Die eigenen Werke können auf USB-Sticks gespeichert werden. Wie einst Ben Hur, der Tribun Messala oder die schöne Esther können sich Besucher zudem vor einer römischen Landschaft ablichten lassen: Also Kamera oder Smartphone nicht vergessen.

In der Medienpädagogik gibt es unterschiedliche, auf Kinder und Jugendliche abgestimmte, Bildungsprogramme. Bei der Ausstellung arbeitet das Filmmuseum auch mit Hochschulen zusammen. Studenten der Klasse für visuelle Effekte an der Internationalen Filmschule Köln IFS präsentierten ihre Arbeiten. Das museumseigene Kino Black Box zeigt zudem begleitend eine umfangreiche, mehrmonatige Filmreihe.

So sind Ausstellung und Filmreihe auch Begegnungsforen; Seminare mit namhaften VFX-Spezialisten aus Deutschland und den USA sind geplant. Sie werden ihre Arbeiten in Vorträgen vorstellen und in einen Austausch mit Besuchern und Studenten treten. So wird Volker Engel am 25. November zu einem Filmgespräch nach Düsseldorf kommen. Für den 30. März 2019 ist ein Symposium mit VFX-Experten aus Deutschland und den USA geplant.

Viele der nun für die Sonderausstellung geschaffenen Stationen werden im Anschluss in die Dauerausstellung integriert werden. Dass dies möglich ist, verdankt das Filmmuseum vor allem der Unterstützung der Beisheim Stiftung aus München.

Filmmuseumsdirektor Bernd Desinger vor dem Green Screen (Foto: Filmmuseum Düsseldorf )

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