Falsch abbiegen für die Energiewende

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Saarland. In den frühen Morgenstunden des vergangenen Sonntags herrschte reges Treiben am Südkai des Dillinger Hafens. Dort war am Tag zuvor ein 340 MVA-Maschinentransformator vom Wasser auf ein Straßenfahrzeug verladen worden. Das insgesamt 85 Meter lange Fahrzeug mit einem Gesamtgewicht von 602 Tonnen sollte unter Polizeibegleitung sicher die gut 30 Kilometer entfernte Umspannanlage Uchtelfangen erreichen. Kurz nach Verlassen des Hafengebietes, in unmittelbarer Nähe zur Dillinger Hütte, musste das Fahrzeugführerteam an einer Kreuzung dann erst einmal nach links abbiegen, obwohl es eigentlich hätte rechts abfahren müssen. Die Kurve rechts herum wäre aber zu eng gewesen und mehrere Ampelanlagen hätten vorübergehend abgebaut werden müssen. Da war es tatsächlich einfacher, erst einmal nach links auf die Gegenfahrbahn abzubiegen, die Zugmaschinen zu drehen und erst dann in die gewünschte Richtung weiter zu fahren.

Dank umsichtiger Straßensperrungen der Polizei konnte der Generator einen asphaltierten Feldweg statt einer Kreuzung befahren oder einen Kreisverkehr durch Einbiegen auf die Gegenfahrbahn überwinden. Insgesamt verlief die Fahrt jedoch meist reibungslos. Der Bilsdorfer Pfarrer musste sich allerdings ein wenig gedulden, denn genau um zehn Uhr passierte das imposante Gefährt die Ortsdurchgangsstraße am Fuße der Herz-Jesu Kirche. Neben den vielen am Straßenrand stehenden Bewohnern hielten da die meisten Kirchgänger natürlich auch erst einmal an, um das Ganze zu bestaunen und fotografisch festzuhalten bevor sie den Gang zur Messe fortsetzten.

Auch die Körpricher waren bei schönstem Sonnenschein auf der Straße, um den Transport aufmerksam zu verfolgen. Ein wenig Angst hatten sie allerdings schon um ihren schönen Wappenstein am Ortseingang. Das Fahrzeugführer- und Mechanikerteam der Firma Kahn-Schwertransporte lieferte jedoch Bestleistung ab und der Koloss glitt mit Schrittgeschwindigkeit in ehrfürchtigem Abstand von etwa einem halben Meter am Stein vorbei.

Das 20+18 Tragschnabel-Fahrzeug ist äußerst flexibel, lassen sich doch alle Achsen einzeln steuern. Ein Expertenteam, das immer wieder absteigt und den Führern auf dem Fahrzeugstand genaue Anweisungen gibt, sorgt dafür, dass auch engste Kurven und Gassen durchfahren werden können. An vielen Stellen ist es aber dennoch erforderlich, Straßenschilder, Beleuchtungs- oder Ampelanlagen zu entfernen oder wenigstens anzuheben.

Auf geraden Strecken erreicht der Tross aus Sattelzugmaschinen, Tragschnabel und mehreren Begleitfahrzeugen auch schon mal eine Höchstgeschwindigkeit von 15 Stundenkilometern. Den größten Teil der Strecke passiert er im Durschnitt aber mit nur vier bis sechs Stundenkilometern. Aus diesem Grund erreichte er auch erst gegen 17 Uhr die Umspannanlage Uchtelfangen.

Viele der am Straßenrand Stehenden fragten sich, warum ein solch großer, neuer Transformator geliefert werden muss, wenn doch die Kohlekraftwerke abgeschafft werden sollen. „Aber genau da liegt das Problem“, ist von Netzbetreiber Amprion zu erfahren. Es kommt darauf an, Erzeugung und Verbrauch im Gleichgewicht zu halten. Eine Umspannanlage schaltet je nach Bedarf die Spannung rauf oder runter, Leitungen ein oder aus und stabilisiert das Spannungsniveau im Netz. Beim Transport von Wechselstrom bauen sich permanent magnetische und elektrische Felder auf und ab. Es handelt sich hierbei um eine physikalische Eigenschaft von Wechselstromleitungen. Dazu wird die sogenannte Blindleistung benötigt. Deren Transport belastet jedoch die Stromleitungen und reduziert die nutzbare Übertragungsleistung. Diese Blindleistung wurde bisher vor allem durch die Generatoren der konventionellen Großkraftwerke, also auch der örtlichen Kohlekraftwerke bereitgestellt. Nach deren Abschaltung ist die Errichtung von Blindleistungs-Kompensationsanlagen erforderlich. Zu diesen zählen Drosselpulen, die wie der Name schon sagt, die Blindleistung kompensieren und die Spannung wieder absenken. Bei zu niedriger Spannung kommen Kondensatorbänke zum Einsatz, die die Spannung wieder hochfahren.

In Uchtelfangen wird zukünftig ein Synchrongenerator, ein sogenannter rotierender Phasenschieber eingestetzt werden, der die Blindleistung flexibel zur Vergügung stellen kann, so dass sich damit die Spannung im Netz sowohl anheben als auch absenken lässt. Der jetzt gelieferte Maschinentransformator wird für Betrieb dieses Phasenschiebers benötigt. Der Phasenschieber soll im März in die Umspannanlage geliefert werden.

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