Denkmaltag in den ehemaligen Hoffmannwerken

Denkmaltag in den ehemaligen Hoffmannwerken

Lintorf (mvk). Viele Besucher sind am „Tag des offenen Denkmals“ der Einladung des Lintorfer Heimatvereines gefolgt und sind am Breitscheider Weg in die Lintorfer Industriegeschichte eingetaucht. Dort, wo heute das Wein- und Feinkostgeschäft „Leib und Rebe“ in einem der wenigen erhaltenen Industriedenkmälern Lintorfs  verschiedene Veranstaltungen rund um den Wein anbietet, hatten kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Visionäre große Ideen umgesetzt und dabei vielen Lintorfern einen Arbeitsplatz geboten.

„Ich benenne ihre Ideen nicht so bahnbrechend wie die von zum Beispiel Konrad Zuse, Carl Benz oder Johannes Gutenberg, aber immerhin wurde ein Zeichen des Aufbruchs mit der Erfindung der ersten vollautomatischen Waschmaschine und der Erneuerung von Mobilität nach der Zerstörung des Zweiten Weltkrieges an diesem Ort entwickelt“, sagte Walburga Fleermann-Dörrenberg vom Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) bei ihrer Eröffnungsrede.

Am Denkmaltag kamen die Hoffmann-Freunde  Siebengebirge und der Hoffmann Rennstall aus Bad Homberg vor der Höhe mit einigen alten Maschinen sowie zahlreichen alten Fotos, Dokumenten und Zeitungsartikeln vorbei und ließen die Zeit Revue passieren, als in Lintorf noch Hoffmann-Fahrräder und die legendären Vesparoller produziert wurden. Viele Handys und Fotoapparate wurden gezückt, um den ein oder anderen Schnappschuss von den liebevoll und detailgetreu restaurierten Maschinen zu machen. Eines der beliebtesten  Fotomotive war wohl die rote „MF10“, die älteste bekannte Hoffmannmaschine aus dem Jahre 1949 oder eine „goldene“ Vespa aus dem Jahre 1954.

Natürlich wurden auch zahlreiche anregende Gespräche geführt. Sogar Zeitzeugen von damals schauten vorbei  und erzählten von Früher. Wie Helga Middendorf, die mehrere Jahre in der Fahrradproduktion tätig war oder Susanna Jeziorek aus der damaligen Buchhaltung, die in den Hoffmannwerken ihren späteren Ehemann kennenlernte.

Nicht weniger informativ ging es in der alten Fabrikhalle zu. Denn dort erzählte Dieter Liere  von der Zeit nach der  Schließung der Hoffmannwerke, als er dort als Arbeiter für die Firma Constructa tätig war. Mit einigen Kollegen von damals berichtete der ehemalige Lintorfer Elektroeinzelhändler von 1958, als in Lintorf die ersten Waschmaschinen produziert wurden, die so schwer wie ein Kabinenroller waren und im Boden verschraubt werden musste, von den turbulenten Jahren der Folgezeit, in denen an drei Bändern gleichzeitig verschiedene Geräte produziert wurden, bis hin zu der Verlegung des Werkes 1968 nach Berlin. Auch er brachte Fotos aus der „Constructa-Zeit“ und einige kleinere Anschauungsobjekte mit.

Ferner brachte er die Zuhörer mit seiner Geschichte über die Milchbezugsmarken der Arbeiter in der Lackiererei zum Schmunzeln. Es waren Marken, die die Arbeiter lieber sammelten, um mit ihnen dann Feiern in Lintorfs Wirtschaften zu finanzieren, anstatt, wie eigentlich vorgesehen, mit ihnen die Milch zu kaufen, um den eigenen Calziumhaushalt aufzufüllen. Auch die Anekdoten über den kurzzeitigen Umbau der Waschmaschinen, um in deren Wasserlauge Würstchen oder Eier zu kochen, amüsierte die Zuhörer.

Seit 1993 gibt es bundesweit am zweiten Sonntag im September den „Tag des offenen Denkmals“ um die Öffentlichkeit für das kulturelle Erbe (historische Bauten und Parks sowie archäologische Stätten) zu sensibilisieren. Er wurde ursprünglich 1984 in Frankreich ins Leben gerufen. Aufgrund der großen positiven Resonanz in der Bevölkerung folgten später auch andere europäische Länder diesem Beispiel. Den Denkmaltag 2018 nutzte der Lintorfer Heimatverein zusätzlich für einen Appell an die Denkmalschützer in  Ratingen. „Reißen Sie nicht zu viel ab in unserem Ort. Wir Menschen brauchen eine Identität und Wurzeln. Der Bagger hat schon zu viel zerstört“, so Fleermann-Dörrenberg. 

Foto: Uwe Springer