Bruderschaft: Windenergie erfordert Programmänderung

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Lintorf. Die Gäste des diesjährigen Neujahrsempfangs der Lintorfer Bruderschaft waren ein wenig überrascht, als sich Schützenchef Andreas Preuß Samstagabend kurz nach seiner Begrüßungsrede verabschiedete. Musste er doch Amtskette und feinen Anzug gegen Arbeitsschuhe und Sicherheitsjacke seines Arbeitgebers Amprion eintauschen. Als Pressesprecher des Unternehmens begleitete er an diesem Abend eine Etappe des Transports eines von zwei 350-MVA-Transformatoren von Stromberg in die Umspannanlage Bacharach, um anwesenden Journalisten Auskunft zu geben. Die neue Anlage wird zum Abtransport der im Hunsrück erzeugten Windenergie benötigt.

„Geplant ist der Transport seit etwa drei bis vier Jahren, denn schließlich ist der Regeltransformator ganze 11,50 Meter lang, 3,30 Meter breit und 4,50 Meter hoch. Ohne Öl wiegt er knapp über 300 Tonnen“, erläutert Preuß. Von Mönchengladbach ging es über einen Zwischenstopp in Krefeld-Linn dann auf der Schiene in einem Transformatortiefladewagen bis zur Umladestelle in Stromberg. Dort war der Trafo am zweiten Weihnachtstag angekommen. Der letzte Teil der Eisenbahnstrecke, etwa 13 Kilometer der Hunsrückbahn, wurden speziell für den Trafotransport teilweise saniert und nur für den Transport in Betrieb genommen. Von der Deutschen Bahn wurden in Stromberg zwei Brücken saniert.

Von der Umladestation aus ging es dann Samstagnacht um Mitternacht über die Straße weiter. Fast 20 Mitarbeiter des Schwertransportspezialisten Kahl & Jansen kümmerten sich um das Vorankommen des 100 Meter langen Gefährts mit einem Wendekreis von 25 Metern. „Da müssen sich unsere Planer alle Details der Strecke mehrfach ansehen und abfahren, um die bestmögliche Fahrlinie zu finden“, erklärt Preuß.

In Rheinböllen musste eine nicht mehr benötigte Eisenbahnbrücke, unter der das Spezialfahrzeug nicht hindurchgepasst hätte, abgerissen werden. Die auf gleicher Höhe liegende Nahwärmeleitung eines ansässigen Unternehmens musste auf 6,50 Meter Höhe verlegt werden. Für die Überwindung eines Berges in Dichtelbach müssen zwei weitere Zugmaschinen eingespannt werden. Im Ort selbst musste Amprion auch ein Grundstück kaufen, dass unbebaut bleiben muss, damit der Transporter wenden kann. Die Überfahrt der Guldenbachbrücke in Rheinböllerhütte war nur mit einem zusätzlichen, dreispurigen Brückenüberfahrsystem von 25 Metern Länge möglich. Maßarbeit seitens der Fahrer und der Begleiter war angesagt.

Oben die Brücke, unten ein Mauervorsprung, Zentimeterarbeit

Schon nach den ersten 200 Metern hinter der Umladestation in Stromberg stoppte der Transport, da ein Brückenpfeiler und ein Laternenmast so nah an der Straße standen, dass bei Durchfahrt des Transformators am Ende nur zwei Finger breit Platz blieb. Langsame Vor- und Rückfahrmanöver nahmen zwei Stunden in Anspruch. Danach ging es dann mit gemütlichen acht bis zwölf Stundenkilometern auf die relativ gerade Strecke. Zwischendurch mussten Mitarbeiter des Bauunternehmens Peter Hausmann & Co. immer wieder ihre Fahrzeuge abstellen, zur Spitze des Konvois rennen und Verkehrsschilder beiseite räumen, über die Straße gespannte Leitungen anheben und Straßenleitpfosten vorübergehend entfernen.

An der Guldenbachbrücke angekommen, musste das Transportgespann, bereits seit Mitternacht unterwegs, erneut stoppen, da das Brückenüberfahrsystem noch nicht ganz fertiggestellt war. Nachdem der Brückenbaukran zur Seite bewegt war, wurde der Trafo mit vorsichtigen Lenkmannövern langsam, wirklich langsam auf die Brücke gezogen. (Wer sich anschauen mag, wie vorsichtig und langsam die Zugmaschinen das lange Gefährt auf die Brücke ziehen, kann sich unter diesem Link ein Video ansehen.)

2 der 3 Fahrspuren haben sich durch die Last der Zugmaschine um etwa 15 cm abgesenkt

Wegen eines Hydraulikschadens an einer der 32 Achsen des Tiefladers war dann allerdings erneut ein Halt erforderlich. Eine exakte Aussage über die Dauer der Reparaturarbeiten an der Achse konnten die Fahrzeugführer nicht geben, so dass Journalisten und interessierte Anwohner am frühen Sonntagmorgen gegen 7 Uhr zu einem zeitigen Frühstück nach Hause fahren konnten. Überraschenderweise war die Achse dann doch eine Stunde später repariert und der Trafo konnte seine Reise fortsetzen.

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