Betörende Klänge beim Festival der Stimmen

Betörende Klänge beim Festival der Stimmen

Ratingen. Kraft ihrer Stimme verführte die Loreley die Rheinschiffer, die Sirenen bezauberten Odysseus mit ihrem Gesang und Orpheus brachte singend selbst Steine zum Weinen. Als einzigartige Hommage an dieses „schönste Instrument“ hat sich „Voices – Das Festival der Stimmen“ in Ratingen etabliert und ist inzwischen fester Bestandteil der Kulturlandschaft des Neanderlands geworden. Im Herbst präsentieren hochkarätige Künstler aus den unterschiedlichsten Genres bereits zum neunten Mal vier Tage lang, vom 23. bis 26. November, faszinierende Facetten ihrer stimmlichen Fähigkeiten im Stadttheater am Europaring 9.

Uwe Muth, künstlerischer Leiter, der das Festival gemeinsam mit Peter Baumgärtner und der Stadt Ratingen organisiert, verrät: „In diesem Jahr darf sich das Publikum auf einen gehaltvollen Cocktail aus Polka-Rock, ungewöhnlichem A-Capella-Sound, Kabarett, Krimi und noch viel mehr freuen.“

Donnerstag, 23. November

„Ich will nur weg, ganz weit weg, ich will raus!“ – mit diesem markanten Schrei brachte Purple Schulz in seinem berühmten Song „Sehnsucht“ Anfang der Achtziger das Lebensgefühl vieler Jugendlicher im Westen und der meisten Menschen in der DDR auf den Punkt. „Ein bewegender Moment, das Lied im Palast der Republik zu singen“, erinnert sich der Sänger. Am Donnerstag, 23. November 2017, um 20 Uhr stellt er seine aktuelle CD „Der Sing des Lebens“ vor. Auf seiner musikalischen Reise begegnet Purple Schulz dem Leben mit Respekt, beißender Ironie und seinem unverwüstlichen rheinischen Humor. Er findet immer die passenden Worte – auch zwischen den einzelnen Nummern –  und lässt dabei großes Gefühlskino in den Köpfen der Zuhörer entstehen. Seine unverwechselbare Stimme erzeugt vom ersten Ton an eine Intimität, die es ihm erlaubt, von Erlebnissen zu singen, über die andere kaum zu sprechen wagen. Begleitet wird  der Kölner Songpoet und Multi-Instrumentalist von Markus Wienstroer an Gitarre und Violine. Im Doppelpack klingen die beiden Ausnahmemusiker wie eine mehrköpfige Band und überzeugen mit einer enormen musikalischen Bandbreite. Purple Schulz wird an diesem Abend sicher auch seine großen Hits „Sehnsucht“, „Verliebte Jungs“ oder „Kleine Seen“ zu Gehör bringen. Doch er singt eben auch über das, was uns heute bewegt. Aus vollem Herzen. Mit Haltung und Verstand.

Karten kosten im Vorverkauf 25 Euro, ermäßigt 12,50 Euro und an der Abendkasse 27 Euro.

 Freitag, 24. November

Improvisationen, originelle Arrangements, überraschende Details – wer die Soulville Jazz Singers in eine Chor-Schublade stecken möchte, wird sich schwer tun. Etwa 40 stimmgewaltige Sänger kreuzen am Freitag, 24. November, ab 20 Uhr die Beach Boys mit Volkslied, verwandeln harte Rocksongs in gefühlvolle Balladen und tanzen dazu.

Im Jahr 2004 gründete die studierte Pianistin Barbara Beckmann den Jazzchor, der bis heute konsequent alle Genre-Grenzen sprengt. Zuvor saß sie am Klavier im renommierten Düsseldorfer Kom(m)ödchen und tourte mit der Schauspielerin Ruth Schiffer als Kabarett-Duo Schiffer/Beckmann erfolgreich durch die Republik. Doch ihre Leidenschaft für den Gesang hat sie nie losgelassen: „Ich war immer fasziniert von der Möglichkeit, nur mit der menschlichen Stimme Klänge, Harmonien und Jazzstilistiken musikalisch zu gestalten“, betont Barbara Beckmann. „Singen ist etwas ganz Urtümliches, das von innen her berühren kann. Mich erfüllt es sehr, wenn ich singende Menschen sehe, die zufrieden strahlen.“ Beim Auftritt der Soulville Jazz Singers im Stadttheater wird mit ihr auch das Publikum strahlen.

VVK: 17 Euro, ermäßigt 12,50 Euro und AK 19 Euro

Samstag, 25. November

Zum Auftakt der „Vocal Night“, traditionell einer der Höhepunkte des Festivals, erwartet die Zuhörer ab 20 Uhr musikalisches Entertainment vom Feinsten: Fanel – Sänger, Pianist, Keyboarder und Akkordeonspieler – begeisterte bereits die Juroren Nena und Xavier Naidoo sowie ein Millionenpublikum in der ersten Staffel von „The Voice of Germany“. Seitdem ist das Multitalent mit rumänischen Wurzeln konsequent seinen eigenen musikalischen Weg gegangen, hat drei Alben veröffentlicht und überzeugt vor allem mit seiner Stimme und seinen authentischen Songs. „Ich schreibe nicht über irgendwas, sondern über Situationen aus meinem Leben“, betont Fanel, und fügt verschmitzt hinzu: „Meine Musik ist ziemlich bunt und gefühlvoll, genau wie ich.“ Pop, Jazz, Reggae und Balkanfolk – der Musiker fühlt sich in sämtlichen Genres zuhause. Und singt mal englisch, mal deutsch, mal rumänisch. Ein Multitalent!

Anschließend gibt eine der spannendsten und vielseitigsten A-Cappella-Bands im deutschsprachigen Raum den Zuhörern mächtig was auf die Ohren. SLIXS, oder auch „Vocal Bastards“, wie sich die Vokalakrobaten selbst nennen, berauschen ihr Publikum mit einem musikalischen Hexengebräu, das süchtig macht. Mit ihrem einzigartigen Sound haben Katharina Debus, Michael Eimann, Gregorio D’Clouet Hernández, Karsten Müller, Thomas Piontek und Konrad Zeiner schon die Herzen von Musikfans in der ganzen Welt erobert: Österreich, Schweiz, Frankreich, den Beneluxstaaten, Italien, Spanien, Finnland, Lettland, Estland, Polen, Russland, Ukraine, Slowakei, Taiwan, Singapur, China, Südkorea, Malaysia und Brunei. Jetzt also Ratingen.

Über 20 Jahre auf der Bühne, zahlreiche Veröffentlichungen und mehr als 2000 Konzerte – HISS sind die Lieblinge des Publikums. Ihre wilde, hochintelligente Mischung aus Balkan-Blues, Polka‘n‘Roll, Taiga-Twist und Wildwest-Walzern füllt weltweit Tanzböden. Zum Abschluss der „Vocal Night“ begeistern die fünf Vollblutmusiker mit ausgefuchsten Weltmusikkonzept voller Tempo und permanenten Liebeserklärungen an die Frauen, den Humor und das Leben. Ihre Abenteuerlust ist ungebrochen, ihr Forscherdrang immer noch nicht bezähmt. Gott sei Dank – so geben sie den Zuhörern Gelegenheit, Weisen und Weisheiten aus aller Welt zu hören. HISS spielen Musik für die menschlichen Problemzonen: Bauch, Beine, Hirn. „Ernst Mosch und François Villon müssen sich doch einmal getroffen haben“, schrieb ein Kritiker. Wahrscheinlich hat er Recht.

VVK: 28 Euro, ermäßigt 12,50 Euro und AK 30 Euro

 

Sonntag, 26. November

Krimi trifft Kabarett – grotesk, witzig, makaber und skurril. Am Sonntag, 26. November, um 18 Uhr spricht und spielt der Kabarettist, Schriftsteller, Rundfunkmoderator und Schauspieler Kai Magnus Sting gemeinsam mit dem Kabarettisten Henning Venske (ehemals Ensemblemitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft) und einem Überraschungsgast seinen Kriminalroman „Tod unter Gurken“. Hauptfigur ist Hobbydetektiv Alfons Friedrichsberg: Alt, hochintelligent, jemand, der gern trinkt, noch lieber isst und immer das letzte Wort hat. Falsch zusammengebaute Leichen, das blutige Verschwinden eines roten Drachens, eine tot im Kaminzimmer sitzende Erbengemeinschaft, ein Mann, der am Schreibtisch seines Arbeitszimmers ertrinkt, und eine explosive Weihnachtsgans machen ihm das Leben schwer.  Die mit absurdem Witz, rabenschwarzem Humor und sprachlicher Finesse geschriebene, pointenreiche Story jagt einem kalte Schauer über den Rücken und lässt einen im gleichen Moment herzhaft lachen. „Kai Magnus Sting fährt literarische Achterbahn… Eine Meisterleistung!“, schrieb die WAZ. Und Henning Venske stellte fest: „Kai Magnus Sting ist der Papst des Gemetzels“. Beste Unterhaltung ist also garantiert.

VVK: 19,50 Euro, ermäßigt 12,50 Euro und AK 21,50 Euro

 Festivalpass kostet 50 Euro.

Foto: privat